Kriminalromane
Kopfschüttelnd starrte Walcher auf seinen Notizblock. Nach langem Zögern hatte er sich vorgenommen, seinen besonders gelungenen Altbestand an Dias endlich digitalisieren zu lassen. Ebenso überfällig war ein neuer Rechner und damit verbunden wahrscheinlich der Kauf und die Installation einiger Neuprogramme, denn sein bisheriges System lief noch mit Programmen, die, ohne es beleidigend auszudrücken, noch aus Zeiten des Abakus zu stammen schienen. Um die Neuprogramme nutzen zu können, war vermutlich Schulung notwendig.
Dann stand als nächster Begriff auf dem Block: Prospekt Förderverein. Walcher stöhnte, kniff die Lippen zusammen und machte sich auf den Weg zum Giftschrank im Wohnzimmer. Ein Sherry würde jetzt gut tun. Warum verdammtnochmal hatte er den Leuten vom Förderverein angeboten, sich um den Spendenprospekt, Adressen und Versand zu kümmern? Die Aufdeckung manch übler Machenschaften schien da ein einfacheres Problem zu sein. Er würde vermutlich eine Reproanstalt, eine Druckerei, einen Computerladen, Adressenhändler und weiß sonst noch wen abklappern müssen. Hatte ja auch sonst nichts zu tun. Den Kommissar konnte er wohl schlecht bitten, seinen Polizeiapparat einzusetzen. Brunner war ohnehin sauer auf ihn.
Lustlos googlete Walcher im Internet, erschlagen von der irritierenden Menge all der Firmen, die sich bei jedem Suchbegriff als Problemlöser anboten. Als er mit seinem leeren Glas hinunter ging, um neuen Mut zu fassen, traf er auf Mathilde, die ihm die Hand mit drei gestreckten Fingern entgegen hielt. Ist erst der Zweite, knurrte Walcher. Er hasste es, wenn er seines Sherrykonsums wegen angesprochen wurde. Mein ich doch garnicht, schüttelte Mathilde den Kopf, hab was von einer neuen Firma gelesen, die bieten alles was du brauchst. Heißen w3 gmbh, versuchs doch mal bei dene. Walcher nickte nur und beschloss, sich einen dreifachen Sherry zu genehmigen. Dass Mathilde den Ruf einer G’sundbeterin hatte, damit hätte er sich ja abfinden können, aber ihm war nun schon einige Male aufgefallen, dass sie offensichtlich auch noch Gedanken lesen konnte. Bisschen starker Tobak, für einen, der nicht an solchen Unsinn glauben wollte.
Auszug aus dem Buch: Alte Kameraden
Autor: Joachim Rangnick
Mehr über den Autor Joachim Rangnick erfahren SIe hier:
http://www.rangnick-verlag.de